‚Vaterlands‘-Krise

Schon im Herbst 1945 trafen sich fünf Alte Herren, um zu beraten, wie es mit der Fridericiana weitergehen könnte (Sie übertraten damit eine amerikanische Verordnung, nach der Versammlungen von mehr als drei Menschen verboten waren!). Angestrebt wurde die baldige Errichtung eines neuen AHV’es. Zunächst wurden gleich einmal Ämter verteilt: Vorsitzender Hans Natorp, Schriftwart Ludwig Kraft sowie Kassenwart ohne Geld Friedrich Uhlhom. Die restlichen zwei waren Ernst Martin und Paul Herold. Bevor durch den Einsatz dieser fünf Herren die Wiedergründung der Fridericiana erreicht werden konnte, bedurfte es allerdings noch drei Jahre harter Überzeugungsarbeit bei den Amerikanern (die sämtliche Verbindungen für Hochburgen des Nationalsozialismus hielten), um das Haus wiederzuerlangen (hier ist v.a. der Einsatz von Georg Krücke hervorzuheben) und als Verbindung überhaupt wieder existieren zu dürfen.

Am 4. Oktober 1948 war es dann so weit: Der AHV wurde wiedergegründet! Auf Betreiben der Marburger Alten Herren hatten sich auf dem ersten allgemeinen Fridericianertreffen nach dem Krieg im Juli 1949 auch sieben interessierte Studenten zusammengefunden, die sich bereit erklärten, die Aktivitas neu zu beleben. Die Wiedergründung der Aktivitas als „Studentenbund Fridericiana“ mit bewusst musikalischer Ausrichtung fand dann im November 1949 in der Kegelbahn auf dem Haus statt. Schnell kam es zu Spannungen mit der Altherrenschaft: Diese wollte eine Fridericiana nach altem Stil wieder auferstehen sehen – mit studentis her Ehre, Chargenwichs, Satisfaktion, Kneipdisziplin usw. Die Aktivitas dagegen gab sich ein neues, eigenes Gepräge: man fand keinen Geschmack an Kneipen und wollte sich überwiegend dem Musischen widmen. In den 50er Jahren wurden Chor und Orchester eigenständig wieder aufgebaut. 1953 benannte man sich in AMV Fridericiana um. In den 60er Jahren traten die Flügelkämpfe Aktivitas-AHV wieder zunehmend in Erscheinung, gipfelnd in der „Vaterlandskrise“ 1964: Die Altherrenschaft wollte die Ergänzung der Aktivensatzung durch einen Artikel, in dem sich jedes Mitglied zum Vaterland bekennen sollte. Dies wurde von der Aktivitas immer wieder abgelehnt (Begründung: […] weil ein solcher […] Artikel in der Satzung einer musikalischen Verbindung überflüssig ist […] und vor allem auch, dass das […] Wort „Vaterland“ als ein in jüngster Vergangenheit schwer missbrauchter […] Begriff, starkem Misstrauen begegnet). 1965 fand die Krise, in der zwischenzeitlich 19 Aktive aufgrund von Ehrengerichtsverfahren ausgeschlossen wurden, als der AHV einen neuen Vorsitzenden bekam, ein Ende. Die Haltung der Aktivitas wurde akzeptiert.

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