Guisevius Krise

Der Präside des WiSe 1925/26, Hans-Bernd Gisevius, trieb den Konflikt auf die Spitze: Zusammen mit einer Gruppe Gleichgesinnter in der Aktivitas forderte er den Austritt aus dem SV. Jedoch konnte er dies nicht gegen den SV-treuen AHV durchsetzen. Einem drohenden Ausschluss kam er im Sommer 1927 mit seinem Austritt zuvor. Der Ärger mit den Marburgern war gleichzeitig Anlass zu Veränderungen im SV, die in die von der Fridericiana geforderte Richtung gingen. So benannten z.B. München und Würzburg seit 1928 für jedes Semester feste Fechtchargierte. In der Fridericiana ging die Entwicklung jedoch immer weiter in Richtung einer besonders korporativ denkenden Verbindung. Der „Geist“ von Gisevius, der viele Füxe ausgebildet hatte, wirkte auch nach dessen Austritt nach. Dies zeigt schon ein Blick in die Semesterprogramme der Zeit zwischen 1929 und 1932: Täglich Mittagessen auf dem Haus, wöchentlich vier bis sechs Paukstunden und zwei Fuxenstunden, dazu jeden Montagabend Convent, jeden Dienstagabend Spielekneipe, jeden Mittwochabend Kegelabend, jeden Donnerstagabend Verkehrsabend (in einem Bierlokal, um sich in der Öffentlichkeit zu zeigen), jeden Freitagabend Chorprobeoder Vortragsabend, jeden Samstagabend Samstagskneipe, jeden Sonntag Exbummel nach dem Mittagessen – Sonntagabend ausnahmsweise frei!
Im übrigen fühlte man sich als „feiner Club“. Es wurde strengstens auf gutes Benehmen und tadellose Kleidung geachtet , sodass man sich eher dem Miltenberger Ring (einem Zusammenschluss weniger schwarzer, aber fechtender Verbindungen mit Corps-Charakter) zugehörig fühlte als dem SV. Anläufe der Aktivitas, aus dem SV auszutreten, wurden von der SV-treuen Altherrenschaft immer mit der Androhung des Hausverbots beantwortet. Dass es in dieser Zeit nie zum Äußersten kam, ist wohl wirklich nur, mit der beiderseitigen Scheu vor dem letzten Schritt, zu erklären.

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